Magical Mystery Mix im Dezember 2019

Di. 03.12.2019, 22-23 Uhr

Der Magical Mystery Mix – Soundscapes

Der gesunde & anregende Mix für den Freund des Geräusches, des bizarren Klangs, des obskuren Kraches und der sehr seltsamen Musik.

Kopfhörer aufsetzen, zurücklehnen, abfahren - Kino für’s Ohr!

 

Bild: Abstrakte Gitarre,
Sérgio Valle Duarte

Quelle: 
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Abstract_Guitar.jpg
 
 

 

Playlist

Name    Dauer    Album    Künstler
1 MMMx-Jingle 2:56 MMMx-Jingles, Kurt Maninouk
2 Abschied vom Planeten 5:33 Leg dich hin und warte bis die Bilder kommen, Milford T.
3 Keine Zähne 4:02 Clicks & Cuts, Vol. 2, Matmos
4 Clir 6:30 Clicks & Cuts, Vol. 2, Taylor Deupree
5 Quit Elegance 5:31 Formed Verse, Neina
6 paradical 2:29 idiology, mouse on mars
7 Girls 4:52 Spex CD #97, Hauschka
8 Drive 4:29 Spex CD # 125, Nocturnal Sunshine
9 Break Your Chains 8:35 Spex CD 125, Mr Raoul K
10 mmmx1993-07-06soundscapes 1:01:09 MMMx, Ausschnitt
11 Titel 14 17:47 Gesang der Sterne, Gérard Frisey
12 Cube 3:08 Appearance And The Park, Kreidler
13 Planetaria (Hefner Remix) 6:21 Two Pages Reinterpretations, 4Hero
14 Single, Boogie 3:41 Spex CD #100, Roedelius Schneider
15 Kaval Sviri 2:13 Das Geheimnis der Bulg. Stimmen, Marcel Cellier
16 Lichen 4:15 Selected Ambient Works, Vol 2, Aphex Twin
17 Wind On Water 5:26 The Essential, Robert Fripp & Brian Eno
18 Section VI 4:54 Music For 18 Musicians, Steve Reich
19 Nannou 4:15 Windowlicker, Aphex Tw
 


Di. 17.12.2019, 22-23 Uhr

Der Magical Mystery Mix – Musik für Glas und Spülmaschine

Plätscherndes Wasser, Schritte, Gesprächsfetzen, Verkehrs- und Naturgeräusche – wer den MagicalMysteryMix kennt, weiß, dass wir den Begriff von Musik sehr weit fassen und gerne auch Alltagsgeräusche, Klänge aus Natur, Technik und Umwelt und auch Musik der seltsamen Art zu neuen Kombinationen zusammensetzen, Soundscapes eben.

Heute wenden wir uns zwei Projekten zu, die ungewöhnliche Soundquellen nutzen. Das Glasotronic-Ensemble kombiniert den Sound von Gegenstände aus Glas mit Elektronik. Und Severino Pfifferling macht Musik mit seiner Spülmaschine und dem Synthesizer.

Das  Glasotronic-Ensemble, bestehend aus Andreas H.H. Suberg und Nikolaus Heyduck, existiert seit 1990 und nutzt zur Klangerzeugung Glasinstrumente bzw. Glasobiekte, die unserer Alltagswelt entnommen sind und bearbeitet diese mit Mitteln der Computer- und Samplingtechnik. Damit vollziehen sie einen Brückenschlag über den Zeitraum von ca. 5000 Jahren, der Erfindung des Glases, dem ältesten Kunststoff der Welt, bis zur Hochtechnologie unserer Tage.

Neben reinen akustischen Performances integrieren sie auch Videos sowie eigens angefertigte GlasKlang-Objekte. Es entstehen multimediale Präsentationen, wie z.B. auch im Freiburger E-Werk unter dem Motto ‚fragile‘ veranstaltet.

Wir hören heute einen Ausschnitt aus der neuen CD ‚mesomorph‘ von Andreas H.H. Suberg und Nikolaus Heyduck vor. Es handelt sich dabei um ein ‚glasotronisches Hörstück‘ und sie schreiben dazu: „In der der elektronischen Komposition Mesomorph spüren wir dem Materialzustand von Glas musikalisch nach. Aus thermodynamischer Sicht wird der amorphe Feststoff als gefrorene, unterkühlte Flüssigkeit beschrieben und regte manche Wissenschaftler dazu an, in dieser Eigenschaft einen 4. Aggregatzustand anzunehmen. Material-Zustand, Herstellungs- und Bearbeitungsprozesse sowie Recycling-Verfahren des Werkstoffes werden auf Verfahren der Klangerzeugung, -Ableitung und -Modulation transformiert und spiegeln sich in dem konzeptionellen Ansatz von Synthese, Resynthese, Konstruktion und Dekonstruktion.“

Die CD "Mesomorph" dauert eine gute dreiviertel Stunde und wer sich dafür interessiert, kann die CD über die Freiburger Galerie Marek Kralewski beziehen unter www. g19i.de.

Ein weiteres Werk aus dem Schaffen von Andreas Suberg und Nikolaus Heyduck ist die Glasotronik-Box FRAGILE mit Videoproduktionen sowie mit Texten der Künstler. Die schön gestaltete und limitierte Box enthält ein Künstlerbuch mit Textanhang sowie eine DVD. Ich kann euch natürlich leider nur den Audioanteil der DVD präsentieren, aber zunächst ein paar Worte zu den Videos.

Das Stück „Rondeau de verre“ ist eine Collage aus zwei stark kontrastierenden bildnerischen Grundelementen: Zum einen surreale und manchmal naturalistisch anmutende blaugrundige Aufnahmen eines um sich selbst rotierenden gläsernen Hohlkopfes, was durch die Perspektive und die Beleuchtung an langsam fließendes zähglühendes Glas erinnert, und dazwischen blitzen in schnellem Wechsel schwarz-weiße Symbole auf, wie sie jeder von Aufklebern kennt, die auf Kisten vor zerbrechlichem Inhalt warnen.

Ein weiteres Stück, das wir hören werden, trägt den Namen "Klirrfaktor 18". Im visuellen Teil tauchen wieder die Glassymbole auf, wie man sie von Verpackungskartons kennt. Zunächst blitzen nur einzelne Bilder auf, nach und nach verdichtet sich jedoch die Abfolge, so dass sie in Bruchteilen von Sekunden wechseln und zu neuen Formen verschmelzen.

Das Ausgangsmaterial für den Ton ist aus dem Geräusch einer zerspringenden Glasflasche abgeleitet. Durch die Bearbeitung mit digitalen und analogen Techniken wurden zwei kontinuierliche Klangschichten gewonnen, zwischen denen in Abhängigkeit von der Bildfolge gewechselt wird.

Zum Abschluss wird noch ein weiteres Werk von Andreas Suberg mit Namen „Honigklang“ vorgestellt. Der Künstler arbeitet hier mit Originalaufnahmen von Bienen und verarbeitet und verfremdet diese elektronisch. Das Stück war Teil einer Klang-/Raum-/Video-Installation, die im Frühjahr 2019 in Freiburg in der Galerie Marek Kralewski zu sehen war. Das Stück „Honigklang“ schafft Assoziationen zu den Bienen, ihrem sozialen Organismus, ihrem Wärme regulierenden Flügelschlag und ihrem Produkt Honig. Es ist den Bienen gewidmet und will das Bewusstsein schärfen für eine Lebensform, die unser Überleben sichert. Zur Ausstellung erschien eine limitierte Musikkassette HONIGKLANG sowie eine Grafik-Serie, deren Erlös der Aurelia-Stiftung zugute kommt, die sich für eine bienenfreundliche Landwirtschaft einsetzt.  Alle heute gespielte Werke sind über die Galerie Marek Kralewski in Freiburg zu beziehen (www.g19i.de)  

Kommen wir nun noch zu dem Werk „Musik für Spülmaschine und Synthesizer“ von Severino Pfifferling, das als Cassette beim Label „Strategic Tape Reserve“ aus Köln erschienen ist.

Dieses Werk wäre ohne den britischen Ingenieur William Howard Livens nicht möglich, der vor allem dafür bekannt war, die Effizienz chemischer Waffen im Ersten und Zweiten Weltkrieg erheblich zu verbessern, was ihn nicht gerade sympathisch macht. Ihm wird aber auch die Entwicklung des ersten Prototyps einer modernen Frontlader-Geschirrspülmaschine zugeschrieben, deren Nachkommen mittlerweile in Privathaushalten auf der ganzen Welt allgegenwärtig sind.

Das weiß ich vom Kölner Musikkomponisten Severino Pfifferling, der auf seinem neuesten Werk die moderne Version einer Spülmaschine bespielt, indem er diese befüllt, programmiert, aufnimmt und dann mit Beiträgen eines Musiksynthesizers begleitet.

Die Cassette „Musik für Spülmaschine und Synthesizer“ von Severino Pfifferling ist auf dem Kölner Label „Strategic Tape Reserve“ erschienen. Die Cassette, die in einer Auflage von 22 Stück produziert wurde, ist bereits ausverkauft, aber ihr könnt das digitale Album für 3 € oder mehr erwerben unter www.bandcamp.com. Wir hören heute die Stücke „Geschirr und Besteck einräumen“, „Vorspülen“, „Ablaufpumpe“, Maximale Reinigungsleistung“ und „Klarspülen“.

Das Label Strategic Tape Reserve ist eine völlig unabhängige Organisation, die sich der Verbreitung und verantwortungsvollen Verwaltung von Material und Inhalten der guten alten Musikkassette widmet.

Ich muss gestehen, dass wir in unserem neuen Highend-Studio hier in Radio Dreyeckland leider keinen Cassettenrecorder mehr zur Verfügung haben. Das ist sehr schade, denn manchmal gibt es immer noch sehr schöne Veröffentlichungen. Schaut mal auf Bandcamp nach, was es sonst noch interessantes von „Strategic Tape Reserve“ gibt.

 


 

Di. 31.12.2019, 22-23 Uhr

Der Magical Mystery Mix – Die drei Versuchungen des Alexander Gerst, Teil 2

Die Versuchungen des Glaubens

Wie wir alle wissen, ist die Weltraumschifffahrt eine höchst spirituelle Angelegenheit - gleichzeitig braucht man beim riskanten Akt jede nur mögliche Art höherdimensionalen Beistands.

Der Magical Mystery MIx befragt den hochsympathischen Wissenschaftsastronauten - sozusagen "unser Mann im All" - nach seinen geistlichen Bedürfnissen, ob er im Orbit schon mal das Beten lernte, nach seiner Beziehung zu Ron S. Hubbard, seiner spektakulären Landung auf dem Evangelischen Kirchentag - kurz nach allen Aspekten spiritueller Aktivität - und, natürlich, ob sich ihm in der Umlaufbahn schon einmal der VERSUCHER näherte und ihm Angebote unterbreitete, wie sie in rückständigeren Zeiten am Kreuzweg feilgehalten wurden.

Wieder gelingt uns eine Direktschaltung hoch zur ISS, Mixmaster Maninouk macht den Reglern kosmischen Dampf, der  Bdolf moderiert und die fortschrittlichen Klänge der Mondumlaufsbahngaragenband von Alexander Gerst untermalen das Gesamtkunstwerk ...

Sei dabei! Am Dienstag den 31.12. um 22 Uhr auf der Welle spiritueller Weltraumschifffahrt 102,3 MHz oder im topmodernen Live-Stream auf www.rdl.de!

Foto: https://www.nasa.gov/content/alexander-gerst-in-the-rassvet-mini-research-module-1/